Zahiye Kundos forscht im Bereich Modern Arabic and Middle Eastern Studies und ist spezialisiert auf die Nahḍa, die moderne arabische Geistes-, Kultur-, Religions- und Literaturgeschichte. Als Essayistin und Intellektuelle beschäftigt sie sich außerdem mit zeitgenössischen Debatten zu Themen, die für palästinensische und muslimische Kulturen und Gesellschaften von Bedeutung sind. Ihr demnächst erscheinendes Buch Experiencing Islam in Modernity: From ʿAbduh to Mahfouz geht der Frage nach, wie bedeutende arabische Persönlichkeiten ihre Erfahrungen mit dem Muslim-Sein in journalistischen Essays, Autobiografien und Romanen beschrieben haben. Das Buch zeichnet die sich wandelnden reformistischen Ansätze nach und wirft einen Blick auf die Verschiebung der Perspektive von religiösen zu humanistischen literarischen Projekten, wobei es sich mit dem Säkularismus und der Rolle der Tradition im modernen arabischen Diskurs auseinandersetzt. Kundos’ interdisziplinäre Arbeit umfasst die gesamte neuere Geschichte und ist gleichzeitig eng mit den klassischen arabischen Wissenstraditionen verbunden. Ihr derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt auf der Mutterschaft in der Levante mit besonderem Augenmerk auf arabische und hebräisch-mizrachische Kulturen und Literaturen.
Zuletzt war Kundos als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Arabistik am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Leipzig (2023–2024) und als Gastprofessorin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (2025) tätig. Sie erhielt Stipendien von der Minerva Stiftung (2021–2023), dem Forum Transregionale Studien (EUME), das dem Seminar für Semitistik und Arabistik der Freien Universität Berlin angegliedert ist (2020–2025), sowie der School of Cultural Studies (2018–2020) und dem Minerva Humanities Center (2014–2018) der Universität Tel Aviv. Außerdem unterrichtete sie an der Universität Tel Aviv (2018–2020) und am Sapir Academic College (2016–2024). Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen „Amīna and the Breaking of the Secular Silence: Revisiting The Cairo Trilogy by Naguib Mahfouz” und „Beginnings, Belongings, and Political Anxieties” (beide in Political Theology, 2024).
Als engagierte Dozentin bemüht sie sich, ihr Wissen an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Ihr Unterricht zeigt die konstruierte Qualität bestimmter Sichtweisen auf und vermittelt die historischen Kontexte, in denen sie entstanden sind. Sie ermutigt die Studierenden, die von ihnen bearbeiteten Materialien kritisch zu befragen und entsprechend den Anliegen ihrer Zeit behutsam notwendige Änderungen vorzunehmen. Ihre Unterrichtsphilosophie hält ein Gleichgewicht zwischen der Bewahrung von Wissenstraditionen und der Förderung von Innovation – oder, einfacher ausgedrückt, untersucht, wie Innovation innerhalb der Tradition möglich ist.