Musik spricht Transkulturelle Pädagogik
„Musik spricht“ ist ein Bildungsprogramm an der Barenboim-Said Akademie, das Kinder aus Berliner Willkommensklassen durch gemeinsame musikalische Erfahrungen mit Studierenden und Alumni der Akademie an klassische Musik heranführt. In zweiwöchentlichen Workshops während des Schuljahres entdecken die Kinder die Freude am gemeinsamen Musizieren in einem Raum, in dem Musik das Sprachenlernen unterstützt und die Kinder zum kreativen Selbstausdruck ermutigt.
Gleichzeitig stellt „Musik spricht“ soziale Verantwortung und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen in den Mittelpunkt der musikalischen Hochschulausbildung. Durch die direkte Zusammenarbeit mit Schulen und jungen Lernenden sammeln Studierende praktische Erfahrungen in der Musikvermittlung und entwickeln die nötigen Fähigkeiten, um ihre künstlerische Praxis mit den sozialen und pädagogischen Kontexten zu verbinden, in denen sie später arbeiten werden.
Das Programm wird von Prof. Yael Kareth, Leibinger-Professorin für Transkulturelle Musikpädagogik und Musikvermittlung an der Barenboim-Said Akademie, geleitet.
Ein gemeinsamer Lernraum durch Musik
Im Zentrum von „Musik spricht“ steht die Begegnung zwischen Kindern, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind, und Studierenden sowie Alumni der Barenboim-Said Akademie.
In zweiwöchentlichen Workshops über das gesamte Schuljahr hinweg erkunden die Kinder Musikinstrumente, lernen, sie zu spielen, entdecken Lieder und entwickeln durch erste Berührungen mit Komponisten, deren Werken und grundlegenden musikalischen Konzepten einen Zugang zur klassischen Musik.
Die Workshops schaffen eine offene und einladende Umgebung, in der Neugier, Vertrauen und Kreativität trotz sprachlicher Barrieren wachsen können. Viele der teilnehmenden Studierenden haben selbst Migrationserfahrung und kennen die Herausforderung des Ankommens in einer neuen kulturellen Umgebung. Dadurch entsteht oft sofort eine Verbindung: Die Studierenden werden zu Vorbildern und Identifikationsfiguren für die Kinder.
Warum “Musik spricht”? Sprache und Integration
Musik kann den Spracherwerb auf kreative und spielerische Weise unterstützen. Durch Singen, rhythmische Übungen und gemeinsames Musizieren lernen die Kinder neue Wörter und erleben Sprache in einem aktiven und sozialen Kontext.
Zugehörigkeit und Selbstausdruck
Das Projekt schafft einen sicheren Raum, in dem Kinder sich ausdrücken, experimentieren und so Selbstvertrauen aufbauen können. Deutsche Lieder zu Jahreszeiten oder Feiertagen vermitteln kulturelle Bezugspunkte und fördern ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Vorbilder und Inspiration
Die Begegnung mit jungen Musiker:innen, die oft ähnliche Erfahrungen des Ankommens in einem neuen Land gemacht haben, kann sehr inspirierend sein. Die Studierenden zeigen, wie Musik, Bildung und persönliche Entwicklung neue Wege eröffnen können.
Wie das Programm funktioniert
„Musik spricht“ begleitet Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren über das gesamte Schuljahr hinweg durch regelmäßige Workshops.
Das Programm umfasst:
- Workshops alle zwei Wochen (ca. 120 Minuten)
- Treffen sowohl in den Schulen als auch an der Barenboim-Said Akademie
- Aktivitäten, die von Studierenden und Alumni im Rahmen ihrer pädagogischen Ausbildung geleitet werden
- eine intensive Probenphase vor dem Abschlusskonzert
Das Projekt ist fest in das pädagogische Ausbildungsprogramm der Akademie eingebunden und verbindet pädagogische Theorie mit praktischer Vermittlungsarbeit in Schulen.
Einblicke in die Workshops Instrumente entdecken
Die Kinder lernen verschiedene Instrumente kennen, hören ihre Klänge und probieren sie selbst aus.
Rhythmus und Stimme
Durch Rhythmusspiele, Body Percussion und Gesang entwickeln die Kinder spielerische und in Gemeinschaft ein musikalisches Bewusstsein.
Geschichten und Begegnungen
Studierende teilen ihre persönlichen Wege mit der Musik, wodurch die Workshops zu Räumen für Austausch, Gespräche und gegenseitige Ermutigung werden.
Gemeinsam musizieren
Nach und nach erarbeiten Kinder und Studierende gemeinsam Lieder und kurze Musikstücke, die später Teil des Abschlusskonzerts werden.
Lernen auf beiden Seiten Für die Kinder
„Musik spricht“ ermöglicht kreative Begegnungen mit Musik und stärkt Selbstvertrauen, Neugier und Ausdrucksfähigkeit. Das Programm unterstützt den Erwerb der deutschen Sprache und begleitet den Integrationsprozess im Schulalltag. Besuche an der Akademie und Auftritte im Pierre Boulez Saal lassen die Kinder diese Orte als Erfahrungsräume erleben, zu denen sie gehören.
Für die Studierenden
Für Studierende und Alumni bietet das Projekt ein praktisches Umfeld, um Unterrichtserfahrung zu sammeln, interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln und zu erforschen, wie Musik in sozialen und pädagogischen Kontexten wirksam warden kann. Sie lernen, musikalische Ideen verständlich zu kommunizieren und Musik als verbindendes Medium einzusetzen.
Das Abschlusskonzert
Am Ende jedes Projektzyklus präsentieren Kinder und Studierende ihre gemeinsame Arbeit in einem Abschlusskonzert im Pierre Boulez Saal. Für viele Kinder ist dies der erste Auftritt vor Publikum auf einer Bühne. Es ist ein Moment des Empowerments, in dem ihre Stimmen und ihre Arbeit sichtbar werden. Eltern, Lehrkräfte und Mitglieder der Schulgemeinschaft sind eingeladen, das Konzert zu einem gemeinsamen Fest des Lernens und der Zusammenarbeit zu machen.
Ausblick
In den kommenden Jahren soll die Arbeit von „Musik spricht“ durch die Zusammenarbeit mit weiteren Schulen in Berlin und einem wachsenden Netzwerk von Studierenden und Alumni, die sowohl in Schulen als auch in Bildungsprogrammen der Akademie tätig sind, ausgeweitet werden.
Das Projekt wird zudem um eine Forschungskomponente ergänzt, die zur Veröffentlichung eines praxisorientierten Handbuchs mit Unterrichtsplänen, musikalischen Übungen und pädagogischen Best-Practice-Beispielen führen soll.
Langfristiges Ziel ist es, ein nachhaltiges Modell zu entwickeln, das Musikvermittlung im Kontext von sozialem Engagement in der professionellen Musikausbildung verankert.