Do., 14. März 2024, 13:00 Uhr
KONFERENZ: ABDULRAZAK GURNAH UND DER DEUTSCHE KOLONIALISMUS
Vorträge
Pierre Boulez Saal - Mozart Auditorium
Abdulrazak Gurnahs Romane Paradise (1994) und Afterlives (2020; dt. Nachleben, Penguin 2022) gehören zu den wenigen literarischen Auseinandersetzungen mit dem deutschen Kolonialismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die von nicht-deutschen Autoren verfasst wurden. Gurnahs Literaturnobelpreis 2021 hat Afterlives und seine Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus ins Rampenlicht gerückt. Diese Konferenz untersucht den Status und die Darstellung des deutschen Kolonialismus in Gurnahs Werk und sein Potenzial, Erinnerungen an eine Vergangenheit zu wecken und neu zu gestalten, die Menschen und Politik weiterhin prägt. Der deutsche Kolonialismus mag relativ kurzlebig gewesen sein, aber wie Gurnahs treffend betitelter Roman Afterlives andeutet, wirkte er noch lange nach seinem offiziellen Ende in Tansania, anderen Teilen Afrikas und Deutschland nach. Trauma, Völkermord, Ambitionen der "Rekolonisierung" durch Nazi-Deutschland und Nachkriegsmigration reichen weit über den Versailler Vertrag hinaus.
Gurnahs Romane thematisieren nicht nur die Schwierigkeit, Zugang zu traumatischen Erinnerungen zu finden und diese zu verarbeiten; sie sind auch ein Angebot, in die Vergangenheit einzutauchen und sie mit den Augen von Menschen zu sehen, deren Sicht auf die Ereignisse häufig diskreditiert, verdrängt oder ignoriert wurde. Wir möchten die historische und geographische Perspektive der Romane aufgreifen und einige dieser Verbindungen durch Zeit und Raum verfolgen. Die Vorträge werden sich insbesondere mit Gurnahs Romanen im Kontext der deutschen Vergangenheitsbewältigung und der multidirektionalen Erinnerung befassen, mit der Rolle der deutschen Missionen und dem Mechanismus der Implikation sowie der Bedeutung von travelling objects und der doppeldeutigen Figur des Askari für die Erinnerung an die koloniale Vergangenheit in und von Ostafrika und Deutschland.
Den Abschluss der Konferenz bildet eine Podiumsdiskussion, in der die Schriftstellerin Maaza Mengiste und die Historikerin Felicity Jensz über die Herausforderungen des Zugangs zu kolonialen Archiven sowie über das Potenzial oder sogar die Notwendigkeit von Fotografien und fiktiven Darstellungen diskutieren, um Geschichten zu erzählen, die sonst unterdrückt oder buchstäblich unter Verschluss bleiben würden. Maaza Mengiste wird außerdem aus ihrem Roman The Shadow King lesen, der für den Booker Prize 2020 nominiert war.
Eine Veranstaltung der Barenboim-Said Akademie in Kooperation mit der Humboldt-Universität Berlin
Organisation: Prof. Dr. Kai Wiegandt (BSA) und Prof. Dr. Lukas Lammers (HUB)
In englischer Sprache
Programm
PROGRAMm
13:00 Begrüßung (Mozart-Auditorium)
13:15 – 14:00 Florian Stadtler: “Writing back to Empire: ‘Vergangenheitsbewältigung’ and German colonialism in Abdulrazak Gurnah's fiction”
14:00 – 14:30 Kaffeepause
14:30 – 15:15 Lukas Lammers: “Afterlives and Multidirectional Memory”
15:15 – 16:00 Felicity Jensz: “German Missions in Afterlives and in German Colonialism”
16:00 – 16:30 Kaffeepause
16:30 – 17:15 Kai Wiegandt: “Implication in Gurnah’s Novels About German Colonialism”
17:15 – 18:00 Keyvan Allahyari: “The Empire’s Human-Thing: Moving Matters Under German Colonisation in Abdulrazak Gurnah’s Fiction”
IHR BESUCH
Anfahrt
Mozart Auditorium
Barenboim-Said Akademie
Französische Straße 33d
10117 Berlin
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Öffentliche Verkehrsmittel
U-Bahn U2 Hausvogteiplatz, U5 Museumsinsel, U6 Unter den Linden
S-Bahn S / U Friedrichstraße
Tram M1, 12 Mitte / Am Kupfergraben
Bus 147 Werderscher Markt; 100, 300, N5 Staatsoper
Fahrrad
Fahrradständer stehen in der Straße „Hinter der Katholischen Kirche" zu Verfügung.
Parken
Q-PARK Unter den Linden / Staatsoper
Bebelplatz 2
10117 Berlin
Theater-Tarif (17.30–23.30 Uhr per Vorkasse): €10
Bitte beachten Sie, dass die Französische Straße aufgrund einer Baustelle gegenüber dem Pierre Boulez Saal verengt ist. Autos und Taxis können deshalb momentan nicht direkt vor dem Eingang des Pierre Boulez Saals halten.
Barrierefreiheit
Für die Bestellung von Rollstuhlplätzen oder Plätzen für Schwerbehinderte sowie von Begleitkarten sprechen Sie uns bitte direkt an.
030 / 4799 7411
tickets@boulezsaal.de
Alle Rollstuhlplätze sind per Aufzug erreichbar.
Wir bitten Sie, uns möglichst schon bei der Kartenbestellung auf Ihre individuellen Bedürfnisse hinzuweisen, damit wir einen problemlosen Zugang ermöglichen können.
Rollstuhlgerechte Toiletten befinden sich im Untergeschoss und im Rang und sind per Aufzug erreichbar.
Vier Behindertenparkplätze stehen in der Straße Hinter der Katholischen Kirche zur Verfügung.